Kleidung der Kelten

Foto: Weben„Sie kleiden sich sehr auffällig: Sie tragen gemusterte Hemden in unterschiedlichen Farben und lange Hosen die sie bracas nennen. Als überwurf dienen Ihnen gestreifte Mäntel, die an der Schulter mit einer Fiebel befestigt werden, und zwar im Winter flauschige, im Sommer glatte, die mit einem dichten und buntfarbigen Würfelmuster geschmückt sind“ Diod. 5,30,1

„Sie tragen das sagum, lassen ihre Haare lang wachsen und ziehen eng anliegende Hosen an; als Untergewand tragen sie langärmelige Hemden, die mit Schlitzen versehen sind und bis zur Scham und zum Gesäß reichen.“ Strab. 4,4,3

„Um die Handgelenke und Arme tragen sie Reifen und um den Hals dicke Ketten aus massivem Gold, dazu noch kostbare Fingerringe und sogar goldene Brustpanzer“ Poseidonios bei Diod. 5,27,3

Diese Beschreibungen der keltischen Kleidungsgewohnheiten prägen bis heute das Bild der Kelten. Werden diese aber auch durch die archäologischen Befunde bestätigt?
Dies lässt sich zunächst durch Stoffreste klären, die sich leider selten über 2000 Jahre erhalten. Ein besonderer Fall sind hier aufgrund ihrer idealen Bedingungen die Salzabbaugebiete in Österreich. So wurde in den Salzbergwerken von Hallstatt und dem Dürrnberg Stofffetzen aus aufwendig gewebten Stoffen mit bunten Mustern gefunden. Zudem gesellen sich die Funde aus dem Fürstengrab bei Hochdorf, welches vollständig mit Stoffen ausgekleidet war und anderen Gräbern. Die Stoffe hatten zum Teil Brettchenwebkanten und waren nicht nur in der einfachen Leinwandbindung sondern in aufwendigen Köperbindungen wie z.B. Fischgratköper und Diamantköper gewoben. Die verschiedenen Muster, welche nicht nur durch unterschiedlich gefärbte Fäden sondern auch durch schattierende Spinnrichtungsmuster erzeugt wurden, wie diverse Karos-, Hahnentritt- und Streifenmuster untermauern die oben zitierte Aussage Diodors zur vorliebe der Kelten für bunte Stoffe.
Einen Hinweis auf die Trageweise der Kleidung geben uns vor allem zeitgenössische Darstellungen und die Fundsituation von Fiebeln und Nadeln in Gräbern. 
Auf den Abbildungen werden Frauen mit Kleidern, Blusen und Röcken dargestellt. Die Kleider variieren von Waden- bis Knöchellänge und von engen bis weiten,  fast glockenförmigen Schnitten. Es findet sich gegürtet und ungegürtete Kleidung mit und ohne Ärmeln in diversen Mustern. Erwähnenswert ist, dass sogar Frauendarstellungen mit Pluderhosen überliefert sind. Auch die Haartracht lässt sich aus den Grabfunden und bildlichen Darstellungen erschließen. So werden meist Kopftücher oder Schleier über kunstvoll zusammen gesteckten Frisuren getragen. Natürlich muss bei Grabfunden und Darstellungen bedacht werden, dass es sich zumeist um Festtagstracht handelt.
Die Männerkleidung ist ähnlich vielfältig wie die der Damenwelt. Zumeist werden männliche Figuren mit einem wadenlangen Hemd mit halblangen Ärmeln dargestellt. Dieses ist entweder einfarbig, kariert oder getupft. An den Säumen und Ärmeln finden sich zumeist Borten. Darüber wird häufig ein Mäntel, welcher bis zu den Waden reicht oder ein Umhang getragen. Der oben von Strabo erwähnte gallische Mantel, das sagum, entwickelt sich später zu dem typischen römischen Militärmantel der Kaiserzeit. Es gibt aber auch Darstellungen von kurzen Hemden, Hosen, Röcken, Westen, Lendenschurzen und Bauchbinden. Dazu werden die unterschiedlichsten Kopfbedeckungen in verschiedensten Formen und Materialien getragen. Bemerkenswert ist der „Chinesenhut“ aus Birkenrinde der im Fürstengrab von Hochdorf gefunden wurde.
Siegesdenkmale der mediterranen Welt wie der berühmte „Sterbende Gallier“, eine marmor Kopie einer Statue, die  um 230/220 v. Chr. für Attalos I. von Pergamon, vermutlich in Bronze, angefertigt wurde, zeigen keltische Krieger zumeist nackt, bzw. mit nacktem Oberkörper, wuscheligen gekalkten Haaren und Schnauzbärten.
 Wie diverse Grabfunde zeigen, trugen nicht nur Frauen Schmuck. Ohr- und Fingerringe sowie Hals- und Armreifen wurden auch von Männern getragen. Das typische Attribut eines angesehenen Kelten, der torques, ein an einer Seite offener Halsring ist ein Beispiel dafür. Dieser war aber nicht, wie oft behauptet der Männerwelt vorbehalten wie z.B. ein wunderschöner Fund eines goldenen torques aus dem Fürstinnengrab von Reinheim beweißt.
 

Weiterführende Literatur:

ADE, DOROTHEE; WILLMY, ANDREAS: Die Kelten. Mythos und Wirklichkeit, Stuttgart 2007.

Adler, Wolfgang: Der Halsring von Männern und Göttern, Schriftquellen, bildliche Darstellungen und Halsringfunde aus West-, Mittel- und Nordeuropa zwischen Hallstatt- und Völkerwanderungszeit, Bonn 2003.

BANCK-BURGESS, JOHANNA: Hochdorf IV., Die Textilfunde aus dem späthallstattzeitlichen Fürstengrab von Eberdingen-Hochdorf (Kr. Ludwigsburg) und weitere Grabtextilien aus hallstatt- und latènezeitlichen Kulturgruppen, Stuttgart 1999.

BÖHME-SCHÖNBERGER, ASTRID: Kleidung und Schmuck in Rom und den Provinzen, Stuttgart 1997.

FREIGANG, Y.: Die Grabmäler der gallo-römischen Kultur im Moselland. Studien zur Selbstdarstellung einer Gesellschaft, in: Jahrbuch des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz 44/1, 1997. 277-440.

GRÖMER, K.: Experimente zur Haar- und Schleiertracht in der Hallstattzeit, in: Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien134/135, 2004/05. 115-134.

V. KURZINSKY, KATHARINA: „…und die Hosen nennen sie bracas“. Textilfunde und Textiltechnologie der Hallstatt- und Latènezeit und ihr Kontext, Espelkamp 1996.

LENNEIS, E.: Die Frauentracht des Situlenstiles. Ein Rekonstruktionsversuch, Archaeologia Austriaca 51, 1972. 16-57.